Rückblick: Südstaaten USA 2017

Bluestrail

No risk – no fun. Unter diesem Motto starteten wir, meine Bandkollegin Angie Lütolf und ich unsere diesjährige fast fünfwöchige Reise im Hochsommer in die Südstaaten der USA.

Eine grobe Reiseroute hatten wir schon im Sinn, doch reichte die Zeit nicht wirklich aus, um Detailplanungen im Voraus zu tätigen. Eigentlich gar nicht meine Art, einfach so mal kurz in die USA aufzubrechen….

Und wie das so ist, wenn man frühere Ferienbekanntschaften im Heimatland besucht, können einen diverse Umstände/Zustände zuweilen recht überraschen. So kam es, dass wir uns schon ziemlich zu Beginn vor Ort kurzfristig dazu entschlossen, unsere Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzusetzen. Ja, jetzt spätestens schüttelt auch der letzte Leser den Kopf. Jeder, der Amerika etwas kennt, weiss, dass dies eine ziemlich grosse Herausforderung ist. Dies wurde uns auch jedes Mal neu bewusst, wenn wir einem der zahlreichen spontanten Gesprächspartner (die es in den USA sehr häufig gibt) davon erzählten. Ungläubige Blicke, ratlose Gesten, ja sogar Unverständnis schlugen uns entgegen.

Wie dem auch sei, wir haben es geschafft. Mit intensiver Nachforschung im Internet (zum Glück hatte ich meinen Laptop dabei!) und nicht zuletzt immer wieder sehr freundlichen und hilfsbereiten Tourismusofficeangestellten.

Wir reisten mit Tourguides, Greyhoundbussen, Amtracks (Zug), Taxis und sogar ein “medical transport service” war dabei. Wir möchten diese Erfahrung nicht missen. So trafen wir immer wieder auf Situationen und vorallem Menschen, die uns sehr beeindruckten. Da kann es also vorkommen, dass in einem Greyhoundbuswartesaal eine Lady im Deuxpièce für einen “wildfremden” Mann und dessen Anliegen zu beten beginnt.

Oder man trifft einen Angestellten der Buscompany, unterhält sich mit ihm über Gott und die Welt und schlussendlich fährt dieser einen am Feierabend durch die Baumwollfelder im Mississippi und verhilft zu einer wunderbaren “private Tour” durch sein Leben.

Ach ja, und da waren noch die Kassendamen aus dem einzigen Shop in Leland, einem verlassenen doch sehr schön gelegenen Dorf in der Nähe von Greenwood. Der Aufschrei war jedesmal gross, betraten wir den Laden: “The two swiss girls!” Einfach wunderbar – wie wir die Menschen fühlen konnten.

Auf diese Art streiften wir durch die Südstaaten – unsere Stationen: Memphis, Clarksdale, Greenwood, Greenville, Jackson, New Orleans und zuletzt die Gulf Shores.

Bleibenden Eindruck hinterliess für uns sicherlich “Memphis”, wo wir jederzeit Blueskonzerte auf höchstem Niveau geniessen durften. Weitere Highlights waren auch der Besuch im Sunstudio sowie Staxmuseum. Elvis liessen wir aus, da uns der Massen-Hero-Kult nicht so sehr liegt. Zu erwähnen ist sicherlich auch New Orleans, welches ein künstlerisches thrilling Flair ausstrahlt…mal abgesehen von den tausenden von Touristen und überlaufenen Lokalen. In Erinnerung bleibt mir vorallem die wunderschöne, französisch angehauchte Bauweise und die unzählen Farne, die von den Balkons runterhängten. Ansonsten, hat man es bald einmal gesehen. Genau, da war noch Jambalaya und Gumbo – einheimische Spezialitäten, an die man sich auch gerne erinnert.

Auf Facebook postet man ja vorwiegend die “schönen” Bilder, das ist auch gut so. Natürlich gab es aber auch einige sehr bedenkliche Umstände…. Essen in Wegwerfgeschirr, der ganze Abfall von Glas über Pet und Dosen in einem Sack, Tumblern bei 35 Grad Hitze usw…. das Schlimmste jedoch ist, dass es offenbar immer noch “Country Clubs” nur für die Weissen gibt. Natürlich gibt es keine Rassentrennung mehr – auch fehlt uns der entsprechende Background, die Situation ganz beurteilen und erfassen zu können. Man kann sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass noch eine ganze Weile Zeit nötig sein wird, die “Trennung” aus den Köpfen und Herzen aller zu verbannen. An den wunderbaren Gulf Shores, wo wir morgens Delphine aus nächster Nähe beobachten konnten, dort machten jedenfalls keine Schwarzen Ferien.

“Wie waren Deine Ferien” – werde ich oft gefragt. Ich antworte: “kontrovers, beeindruckend, verwirrend und schön zugleich. Das Beste jedoch waren die Begegnungen mit den Menschen, der Austausch von Freundschaft, die über Hautfarbe und Herkunft steht.”